Unveröffentlichter sechster Track der "Tiefenrausch"-Aufnahmen. Hinzugefügt am 29/3/11.
ich schlief im gurgeln / wieder ein / versumpfte den boden / mit
meiner feuchte / und tauchte auf / am grab des exul / in leisem
schüttern / und gelbem raum / im baldur-atem / gebar ich sterne / das
hiob-auge / blutet wolken / und mir das wort / ich sehe silbern / den
eignen mund / vor mir verwelken / ich wahre schweigen / das wort der
veden / ist deine träne / und macht mich stumm (versuch eines winters,
2003)
Es
fiel der erste Schnee.. wir stehen stumm Und wagen nicht, die
Stille zu berühren. Mit welchem Wort auch sollten wir uns nähern
Der Welt, die längst uns nicht mehr Heimat ist? Geheimnisreich
und dunkel leben wir, Die Sprache eines unbekannten Gottes, Der
seine Welt uns nicht enthüllen will. So bleiben stumm wir..
schweigend liegt das Weiss Des winterlichen Landes uns vor
Augen.. Ein jedes Wort entschwände ungehört Und fasste
nichts und wäre nichts als Klang, Dem Wind verwandt, der von dem
Wort nicht weiss, Nie haften bleibt und immer wehen will, Dem
Wind verwandt, der immer weiter will.
Stufe II: GERAEUM
Was
ist das?, wenn die Worte, alle, heillos Von Zungen, die kein
Walten je gestimmt hat, Im Raume hängen, auf nichts weisend als
auf das Starren, Aus leeren Augen, blöden, vom Nachtgeist
behexten. Das Lebendige, reines Wehen, niemals erkannt, Wohnend
aber in uns anvertrautem Gering, Flieht und läßt uns allein im
stummen Gehäus, Wo alles fern ist und doch alles da, Im
taumelnden Gemächte der Titanen.
Dasein sind wir... stehen
aus dem Geräum Hinein in den Zuspruch, dessen Rede wir sind,
Daß unser Wort Wesen und Dingen ein Schrein Sei, unser
Fallen ein Ruf, fernhin, auch die Tiefe Zur Heimat den
Abgründigen, uns, zu denken. Gehör ist Werk, in dem wir,
schweigsamgesprächig, Geburt sind. So liebt uns der Gott, daß
Frucht Unseres Schwindens ein Aufgang zu schönerem Leben
Gesponnen aus Fügsamem sei.
Alles ist Übermaß. Geheim
Nur Zwiegespräch zu sein, offen im Walten Zu stehen, und sei
es Erschütterung nur Und Entsetzen, inmitten von Dingen, zu
großen Und vielen, bin ich, ist, traue ich zu vermuten, Der
Mensch. Wie aber? Geste sei´s bloß und Spiel, Fordernd zu sein,
um auszuhalten als Fremdling? Böse geht das Geschwätz derer,
die meinen, zu haben, Und die nicht ahnen, wie ihnen sich alles
verschließt.
Ist Auftrag, jeden Tag mit leerer Hand zu
beenden? Nichts gefaßt zu haben von dem, was sich bot, Und
bodenlos im gewaltigen Fluten zu stehn? Geschehen lassen, ganz
Einkehr sein, und kaum Sich Augen bieten, listig bohrenden,
Durstend nach Fülle, und wenn sie vor ihnen steht,
Zerstörerisch, nur um dann weiterzujagen, Nach den
Erlebnissen, die niemals sind, Wenn sich der Mensch nur in sich
selbst verschließt.
Öffnung sein. Ganz Schweigen und
Durchbruch Müssen wir, die Sagenden, sein, reiner Bezug,
Verwandt nur dem Wind, wenn ein Rauschen Durch die Kronen
geht der prächtiggenügsamen Bäume - Die merken Ihn, der atmet
und sich verbirgt Dem spähenden Sinn. Riß aber ist, und Gefäß,
Der Mensch, wenn er IST, allem sich schenkend er selbst, Der
Wirrsal entsetzt, der bösen, allzugeschäftigen, Den Geist
verwüstend mit vielwissendem Schwatzen.
Nur Zeichen sein,
reiner Verhalt, Gesang, Und Staunen. Wir sind Priester und Kinder
in einem. Doch als ich, in trüb mit Blicken verhangenem Raum,
Vorlas aus mir selbst, manches eröffnend, nur Durchbruch, Und
jeder der Hörenden offen und schutzlos im Strömen, Finster,
ungewußt sich in sich selbst verschließend, Brach ich, zauberte
nur flüchtig noch Verhüllung, Brach sich am Dunkel das Licht,
das Leben in sich, Gewende vor Augen, die nicht sahen.
Gespenster kommen und tun, als hätten sie Aussehn. Ihr
Trachten, und nennten sie´s Leben, Ganzheit, Frühe, Ist nur das
flüchtig übergestreifte Gesicht Von nichtiger Leere. Wir
Sagenden aber, sagen wir nicht, Indem wir sagen Ja zu allen
Dingen? Und trotzdem hasse ich und habe nur Feindschaft in mir,
Wenn die geschwätzig Allzugeschäftigen kommen. Da ist
Wüste, wo der Wille zum Lebendigen, Das Leben und den Tod
zugleich verdirbt.
Der will gestorben sein. Wir sind dann
Antwort, Ganz Lassen und Gehör und nur Gespräch, Geraunt
von Ding zu Ding, von Wesen zu Wesen, Und sind wir die Einsamen
auch unter Gespenstern, Wissen nur wir noch, scheint mir´s, was
Heimat ist. Die Wüste wächst. Ihr Name ist: Ich will. Daß
ich mich gab, soll Grund sein, zu bereuen? Wer kennt mich denn?
Ich bin doch Wind nur, still Auf schwere Erde schwarze Blumen zu
streuen.
Stufe III: KRAFTFELD
I. Gewalt der Welt, die offen liegt, so
offen, Dass jedes Ding, indem es ist, ein Schrei ist, Und
Licht, das in das Sein es hebt, die Klinge, Die immer es
verletzen muss, und töten - Töten ES, das allem all einst war.
Die Dinge: Wunden, und die Welt: ihr Blut. Zerstörung musste
alle Reiche enden.. Und lösen muss sich alles, dass es neu Sich
binden kann, indem ein Gott sich wähle Die Seele dessen, der die
Tat vollbringen Und weiten kann geheimen Raum zu Welt. "So
sei Gefäss, und weigere der Gewalt nicht, Die Seele mit den
Wassern rein zu waschen, Dass in der Leere neu der Gott sich
rege."
II. "Kein Wort erfasst mich.. kein Bild
enthüllt mich.. In keinem Wesen hab Wohnung ich. Kein Name
nennt mich.. ihr nennt mich heilig.. Ihr seid mir Sklaven - und
wisst es nicht.
Ich bin unendlich.. ihr wähnt mich ewig..
Ihr nennt mich All.. ein Gott sei ich! Ich sei der Eine.. und
ihr in mir - O 'ihr in mir': ich bin es nicht.
Ihr sagt
Erfüllung.. ich bring Vernichtung Und nenne Gottesreich mein
Ziel.. So fang ich Seelen gleich blinden Tieren Und wem sie
dienen erfahrn sie nie.
Sie wähnen wach sich.. doch alle
Sinne Lösch aus ich ihnen - blödes Getier! Ich mach sie
gleich mir.. nach meinem Bilde: Niemals gewesen wie ich bin."
Stufe IV: NOVEMBERNEBEL
Dir
graut Novembernebel in der Seele.. Der Öde trister Stunden gilt
dein Bangen, Die dir das Lachen aus den Tagen stehle, Dir dir
die Schöne nehme von den Wangen.
Du suchst voll Kummer in
den Laub-Gewölben, Die längst sich schon in welke Töne färben
Nach andren Farben als den braun- und gelben, Nach
Sommerfarben, die im Herbst nicht sterben.
Dir steht ein
fahler Himmel im Gemüte, Doch auch in ihm ist bunter Töne
Reigen.. Das Leben, das du suchst, muss nicht in Blüte: Kann
auch im Herbstgewelke sich dir zeigen.
Stufe V: TIEFENRAUSCH
Glaub
nicht, dass du das Dunkel überwunden.. Der Traum wies dir das
Schicksal, das dir frommt, Im Bilde, dessen Gegenwart erst kommt,
Wenn in dir selbst du deinen Ort gefunden.
Was du
erblicktest in dem schwarzen Spiegel, War Ziel und Weg in einem:
deines Geistes Ur-eignes Sein, aus heiligem Quell gespeistes,
Das erst zu formen ist im schwarzen Tigel.
Darin musst
lösen du, was du gewesen, Musst löschen aller neuen Weihen
Glänzen, Vergessen Bilder, die dich schon bekränzen - Fahr
in die Nacht! Nur dort kannst du genesen,
Um dann verjüngt
dein eignes Bild zu greifen, Den Geist aus blauen Dämpfen zu
verleiben. - Nur die vom Geist verstossnen Schlacken bleiben, Wo
trüb und dumpf Gespenster kreisend schweifen.
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