EXIL (16.I.2012). Was manche von uns, uns Schreibenden, im Grab der Bedeutung Wohnenden,
die wir das Zeichen sind, deutsam, im Bruch aller Zeichen, mit allen
Zeichen, – was manche von uns, uns Schriftlosen, inniger vergessen
haben, als ein einziger von uns je es wusste: dass, wie Lukács sagt, die
Problematik der Romanform das Spiegelbild einer Welt ist, die aus den
Fugen geriet, doch wann? Was jetzt sich rächt in der heillosesten aller
Behauptungen, jener nämlich, dass die Wahrheit rein ästhetisch zu haben
sei, und sei es in der Form der Abkehr von aller Wahrheit, ist der Sieg
des Neuplatonismus über die Gnosis, auch und gerade über die schwächste,
die der geringsten Kraft, über die Gnosis eines Abstands, welcher nicht
mehr Zahl ist, sondern Rune. So entsteht sie, die Verbrüderung des
ironisch Gebrochenen mit der Behauptung von Totalität, der Totalität
eines unverlierbaren Seins ohne Umkehr. Es ist die Definition des
»Existentiellen« diesseits von aller Erfahrung. Nicht den kleinsten
Sprung erlaubt sich der makellos gerundete Kosmos der Gewissheit, die
Existenz, Ur- und Abbild der Literatur zugleich, Inbegriff des
Ästhetischen in der ganzen Nichtigkeit seiner Konstruktion, entfließe
schlechthin dem Absoluten. Die erkenntnistheoretisch zwingende Kluft
zwischen metaphysischem Sinn und konkreter Ordnung ist ausgeschaltet,
und mit ihm die Wirklichkeit des Gebets, das in der Lyrik
wiederaufstehen will und doch an ihr nur seine Grenze hat. Wir anderen
aber, schriftlos im Namen der Schrift, in den Mauern des Namens, halten
die Kehr. Ein Wesen vor aller Welt steht auf, wenn Stern und Stern
einander begegnen in letzter Klarheit und Liebe, und das Wort, Inbegriff
des Lebens, unseres, senkt als Kreuz sich in den Kosmos ein als ein
Wissen, das so geheimnisvoll und ohne jedes Geheimnis da ist wie das
Wissen der Schwalben, das in den Dingen wohnt, wenn sie, die Wissenden,
eingezogen sind in ihr winterliches Exil.
Im April 2012 erscheint im Eisenhut Verlag: Das Wissen der Schwalben. Traumbuch